Nina Prinz

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28.06.2007 11:20 Alter: 11 yrs
Von: Michael Wiegand vom Mannheimer Morgen

"Motorrad-Prinzessin" rast in Männer-Domäne

TALENT DER REGION: Nina Prinz führt EM-Wertung an


Den Vergleich mit Katja Poensgen muss sich Nina Prinz gefallen lassen. Nachdem die heute an der Bergstraße lebende Poensgen Mitte der 90er Jahre als erste Frau im Motorradsport-Zirkus ihre Runden drehte, könnte die "Motorrad-Prinzessin" immerhin eine legitime Nachfolgerin werden.

Die 24-jährige Prinz stammt wie Poensgen aus dem Allgäu - offenbar eine sehr gute Voraussetzung, um später fest im Motorradsattel zu sitzen. Prinz fing bereits mit elf Jahren an, auf kleinen Pocket-Bikes Rennen zu fahren, die ihr Vater organisierte. Sie fuhr langsam, PS für PS, nach oben.

2007 fährt sie erstmals auf einer 1000-Kubikzentimeter-Maschine eine komplette Saison in der Frauen-Europameisterschaft, dem European Women's Cup. Im Vorjahr hatte Prinz als Fahrerin des Mannheimer MV Agusta Teams in zwei Rennen triumphiert und gilt nicht zuletzt daher nun als Zugpferd des italienischen Rennstalls Y2K.

Gleich das Auftaktrennen in Vallelunga dominierte Prinz fast nach Belieben: 23 Sekunden Vorsprung hatte die in Mannheim lebende Fahrerin mit ihrer Ducati 1098 auf die Italienerinnen Paola Cazzola und Alessia Polita, zwei kleine Stars jenseits der Alpen. Prinz gilt nun als schnellste Frau Europas auf zwei Rädern und ist als Deutsche in eine italienische Domäne eingebrochen. "Es ist dennoch sehr schwer, Unterstützung zu bekommen", bedauert sie. In Italien sei das anders, Motorradsport beliebter und Frauen auf den schnellen Zweirädern keine Seltenheit. Tatsächlich führt Prinz in der 1000-Kubikzentimeter-Wertung des European Women's Cup vor fünf Italienerinnen und der Französin Fabienne Migout. Die nächsten Rennen finden am 15. Juli in Assen/Niederlande und 12. August in Oschersleben als Rahmenprogramm der 24-Stunden-Weltmeisterschaft statt.

Das Ziel der Ducati-Fahrerin ist klar: Über die Superstock-EM will Prinz versuchen, sich gegen männliche Konkurrenz zu behaupten und für die Superbike-WM zu qualifizieren. "Am liebsten würde ich im Moto GP fahren, da ist das Reglement noch offener als bei den Superbikes", unterstreicht die Motorsportlerin. "Wenn es reinpasst, darf man es auch einbauen . . ."

Können, Kraft und Ausdauer, um bei den Männern nicht hinterher zu fahren, hat die "Motorrad-Prinzessin". "Nur wenn ich mich selber fordere, kann ich mich verbessern." Fahr- und Fitnesstrainings absolviert Prinz wie ein Profi. Freizeit bleibt schnell auf der Strecke, aber das jahrelange Engagement hat sich bereits ausgezahlt.

Mit Glück könnte es Prinz ein weiteres Mal so ergehen, wie vor einigen Monaten, als Y2K-Chef Marco Gerbaudo eine E-Mail nach Mannheim schickte und anfragte, ob Interesse bestehe, beim von Ducati werksunterstützten Rennstall in Bologna zu unterschreiben. Ihre Unterschrift setzte Prinz nur kurze Zeit später unter den Vertrag. Bis 2008 stellt Y2K der Mannheimerin nun noch Motorrad und Techniker zur Verfügung. "Weiter aufzusteigen ist danach ohne eigene Sponsoren aber wohl kaum mehr möglich", vermutet Prinz und fügt verschmitzt hinzu: "Auf meinem Overall sind noch einige interessante Stellen frei."